Im März 2024 startete das Projekt im Quartier: „Quartiersküche Germaniagarten – gemeinsam schmeckt’s am besten!“. Gemeinsam mit den Bewohner*innen wurde gesund und nachhaltig gekocht sowie Lebensmittel haltbar gemacht, Hochbeete angelegt, bepflanzt und gepflegt. Gärtnerische Kenntnisse wurden in den „ackersprechstunden“ vermittelt. Das alles kam so gut an, dass es nun das Nachfolgeprojekt „Gemeinsam Gärtnern im Germaniagarten II“ gibt, wieder mit dem Träger „Ackerpause“.
In einem Gespräch mit Jasmin Neumeister vom Projektmanagement stellen wir das Projekt vor:
Auf welche Strukturen bauen Sie auf?
Jasmin Neumeister: Es gibt bereits gemeinsame angelegte Hochbeete im Quartier, die genutzt und weiterentwickelt werden können. Wir haben in den letzten beiden Jahren wertvolle Erfahrungen gesammelt: Welche Workshop-Formate an und um die Beete herum gut funktionieren, um die Bewohner*innen des Quartiers zusammenzubringen und wo es noch hakt. Daraus lernen wir jetzt für die nächste Phase.
Wichtig ist auch, dass schon einige Kontakte im Quartier geknüpft wurden, zu einzelnen engagierten Anwohner*innen als auch lokalen Akteur*innen wie der Serbisch-Orthodoxen-Kirche. Sie sind von dem Projekt begeistert und unterstützen es weiter. Das ist noch keine feste Struktur, aber eine gute Ausgangsbasis, auf der wir weiter aufbauen können.
Als Veranstaltungsort hat sich die Kirchengemeinde zum wichtigen Kooperationspartner des Projektes entwickelt. Bleibt sie dabei?
Jasmin Neumeister: Ja, die Kirche ist weiterhin ein fester Kooperationspartner. Im Garten der Gemeinde stehen die Hochbeete, die im Rahmen des Projekts beackert werden. Außerdem stellt die Kirche weiterhin ihr Gelände und Räumlichkeiten für Feierlichkeiten zur Verfügung, die wir im Rahmen des Projektes ausrichten. So haben z. B. Frühlings- oder Sommerfeste immer großen Zulauf aus der Anwohnerschaft bekommen, weshalb wir diese Formate weiterhin beibehalten möchten.
An den Kochabenden haben meist mehr Bewohner*innen teilgenommen als an den Garten-Workshops. Warum jetzt der Schwerpunkt auf das Gärtnern?
Jasmin Neumeister: Die bisherigen Erfahrungen zeigen zwar, dass Koch-Workshops oft eine hohe Beteiligung erzielen, gleichzeitig bieten sie aber keine langfristigen Strukturen für Begegnung und Austausch. Kurz gesagt: Wenn keiner mehr kommt zum Kochen, trifft man sich nicht mehr. Beim Gärtnern ist das anders. Die Pflege der Hochbeete bedarf der Beteiligung der Anwohnenden – und das auch zwischen unseren Workshop-Formaten und darüber hinaus. Das gemeinsame Gärtnern bietet somit eine längerfristige Grundlage für weitere Bildungs- und Begegnungsformate. Zudem ist der Garten ein zugänglicher Ort im Quartier und bietet die Möglichkeit, Menschen kontinuierlich einzubinden, nicht nur punktuell wie bei einzelnen Veranstaltungen.
Durch die stärkere Fokussierung auf das Gärtnern wollen wir genau diese langfristige Beteiligung fördern und den Gemeinschaftsgarten als lebendigen Treffpunkt im Alltag etablieren. Kochformate bleiben dabei weiterhin ein wichtiger Bestandteil, um niedrigschwellig Zugänge zu schaffen und die Nutzung der Ernte erlebbar zu machen, jedoch in geringerem Umfang als im vorherigen Projekt.
Sind auch in diesem Projekt Feste oder ähnliche Veranstaltungen geplant?
Jasmin Neumeister: Ja, es gab ein kleines Sommerfest mit Kochaktion am 24. Juni 2026 und für den 16. September ist auch ein kleines Erntefest vorgesehen. Außerdem waren wir beim „Tag der Städtebauförderung“ am 9. Mai 2026 mit einem Stand zur Herstellung von Kräutersalz und einem Wildkräuterspaziergang dabei.
Mit welchen Einrichtungen arbeiten Sie zusammen oder ist eine Zusammenarbeit geplant?
Jasmin Neumeister: Wir haben bereits mit der Kita „Paradiesvögel“ zusammengearbeitet und dort gemeinsam mit den Kindern zwei Beete bepflanzt. Das war ein schöner Einstieg, um das Thema Gärtnern direkt vor Ort erlebbar zu machen.
Mit der Marianne-Cohn-Schule haben wir 2024 schon einige Koch-Workshops in der Lehrküche der Schule durchgeführt und einzelne Themen-Workshops für die Garten AG dort angeboten. Nun planen wir aktuell eine Aktion, die wahrscheinlich nach den Sommerferien umgesetzt wird.
Grundsätzlich möchten wir solche Kooperationen weiter ausbauen, vor allem, weil sie ein guter Weg sind, Kinder und Familien zu erreichen und sie auch für die Nutzung der Hochbeete im Quartier zu begeistern.
Eine Kerngruppe aus Anwohner*innen aus dem Quartier sowie eine Kümmererstruktur für die Hochbeete, die über die Unterstützung der Gemeindemitglieder der Serbisch-Orthodoxen-Kirche hinausgeht, konnte jedoch bislang nicht verlässlich aufgebaut und nicht etabliert werden. Wie wollen Sie das diesmal erreichen?
Jasmin Neumeister: Wir setzen hier weiterhin auf die Ansprache der Anwohnenden. Konkret wollen wir die Arbeit an den Hochbeeten fortführen und nach und nach Menschen finden, die Verantwortung übernehmen, auch wenn sich das erst langsam entwickelt. Dafür setzen wir weiterhin auf kontinuierliche Präsenz im Quartier, also regelmäßige Angebote, aber auch ganz einfache Dinge wie Plakate oder persönliche Ansprache, um mehr Leute fürs Gärtnern zu begeistern. Dadurch möchten wir eine oder mehrere Parteien für eine Beet-Patenschaft finden. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine Vernetzung unter den Beet-Paten, damit sie sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen können und der Garten ein Raum der Gemeinschaft bleibt.
Wir möchten, dass sich die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und der Garten im Alltag der Nachbarschaft ankommt.
Gibt es da schon Kontakte zu Wohnungsunternehmen/-eigentümern?
Jasmin Neumeister: Die Einbeziehung von Wohnungsunternehmen für das Projekt wurde ganz zu Beginn geprüft, ist aber leider daran gescheitert, dass sie bei sich keine geeigneten Flächen für einen Gemeinschaftsgarten sahen.
Sie hatten ja gesagt, dass Sie ein aktives, quartiersbezogenes Netzwerk rund um das Thema Gärtnern aufbauen möchten. Welche Partner*innen haben Sie da im Blick?
Jasmin Neumeister: Wir haben bereits mit der „Villa Holz“, mit der Kita „Paradiesvögel“ und der Marianne-Cohn-Schule zusammengearbeitet und gedenken, diese Verbindungen weiter zu stärken. Außerdem sind wir mit den stadt.menschen.berlin vernetzt, welche sich in den vergangenen Jahren um die Organisation des Sommerfestes gekümmert haben und seit diesem Jahr die Spielstraßenfeste organisieren. Diese Feste ermöglichen uns, das Angebot des Gemeinschaftsgartens weiterhin nach außen hin sichtbar zu machen und mehr Menschen dafür zu mobilisieren.
